Ein Begriff aus dem Kalten Krieg
Wer sich mit Pflanzenheilkunde beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Adaptogen. Was viele nicht wissen: Der Begriff ist nicht aus der traditionellen chinesischen, indischen oder europäischen Volksmedizin entstanden. Er wurde in den 1940er-Jahren in der Sowjetunion geprägt — von dem Pharmakologen Nikolai Vasilievich Lazarev.
Lazarev und sein Schüler Israel Brekhman suchten in den 1950er-Jahren systematisch nach Pflanzen, die sowjetischen Arbeitern, Sportlern und Soldaten unter Belastung unterstützen sollten — ohne die Nebenwirkungen klassischer Stimulanzien wie Amphetamin. Das Forschungsprogramm war im Kontext des Kalten Krieges politisch motiviert: man suchte nach „natürlichen” Substanzen, die Leistung in extremen Bedingungen unterstützen.
Lazarev formulierte die ursprüngliche Definition. Eine Substanz galt als adaptogen, wenn sie:
- In Belastungsphasen unspezifisch unterstützt — also nicht nur eine, sondern mehrere Belastungsformen abfederte (Kälte, Hitze, Schlafentzug, Schwerstarbeit).
- Gut verträglich ist — keine erheblichen Nebenwirkungen bei normaler Dosierung.
- Nicht abhängig macht und eine ausgewogene, nicht überstimulierende Wirkung hat.
Die ersten beiden Pflanzen, die Brekhman als Adaptogene klassifizierte, waren Eleutherococcus senticosus (oft fälschlich „Sibirischer Ginseng” genannt) und Rhodiola Rosea.
Was die klassische Liste umfasst
In der westlichen Phytotherapie hat sich seit den 1990er-Jahren eine ungefähre Liste etabliert. Die am häufigsten als Adaptogene bezeichneten Pflanzen:
- Rhodiola Rosea (Rosenwurz) — Skandinavien, Sibirien, Altai
- Panax ginseng (Koreanischer Ginseng) — Ostasien, traditionell-medizinisch dokumentiert
- Panax quinquefolius (Amerikanischer Ginseng) — Nordamerika
- Eleutherococcus senticosus — Sibirien, Nordasien
- Withania somnifera (Ashwagandha) — Indien, ayurvedische Tradition
- Schisandra chinensis (Wu Wei Zi, Beerentraube) — China, Russland
- Bacopa monnieri (Brahmi) — Indien
- Cordyceps — medizinischer Pilz aus dem Hochland Chinas und Tibets
Die Liste ist nicht abschließend — verschiedene Autoren der Phytotherapie-Literatur ordnen unterschiedlich ein. Manche zählen Lakritze, Tulsi (Heiliges Basilikum) oder Maca dazu; andere nicht.
Was die EU-Rechtslage sagt
Adaptogene und EU-Recht Für die klassischen Adaptogen-Pflanzen — Rhodiola, Ginseng, Eleuthero, Ashwagandha, Bacopa, Schisandra — existieren aktuell keine EU-autorisierten Health Claims auf Artikel-13.1-Ebene der Verordnung 432/2012. Aussagen über spezifische Wirkungen auf mentale oder körperliche Funktionen sind im Kontext eines Nahrungsergänzungsmittels daher nicht zulässig. Was zulässig ist: die neutrale Beschreibung der Pflanze, ihrer Tradition, ihrer Inhaltsstoffe und der Standardisierung.
Was Adaptogene nicht sind
Drei Klarstellungen, die in der Marketing-Sprache oft verschwimmen:
- Adaptogene sind kein Stimulans im pharmakologischen Sinn. Die Wirkung — wenn sie eintritt — ist diffus, nicht akut. Wer einen schnellen Energieschub sucht, ist mit Koffein besser bedient.
- Adaptogene sind kein Heilmittel. Sie sind Lebensmittel-Inhaltsstoffe (Nahrungsergänzungsmittel-Zutat), nicht Arzneimittel. Spezifische Wirkungen gegen Krankheiten sind weder belegt noch zulässig zu kommunizieren.
- Adaptogene sind keine wissenschaftlich anerkannte Kategorie. Der Begriff stammt aus der sowjetischen Pharmakologie und ist in der westlichen Wissenschaft umstritten. Die Studienlage zu einzelnen Pflanzen ist heterogen.
Was bleibt: eine lange Anwendungsgeschichte, eine breite phytochemische Charakterisierung der enthaltenen Verbindungen, und eine wachsende, aber unabgeschlossene Forschungslandschaft.
Die zwei Adaptogene in ALPHORA FOKUS
Die Formel kombiniert zwei adaptogene Pflanzen aus unterschiedlichen Kulturkreisen:
Rhodiola Rosea
- Herkunft: Höhenlagen Nordeuropas, Sibiriens, Nordamerikas
- Tradition: skandinavische und russische Volksmedizin, seit Jahrhunderten
- Leitsubstanzen: Rosavine (eine Glykosid-Gruppe), Salidrosid
- Standardisierung in ALPHORA FOKUS: 200 mg Extrakt, 3 % Rosavine
- Detailseite: /rhodiola-rosea
Panax Ginseng
- Herkunft: koreanische Halbinsel, Nordostchina
- Tradition: chinesische und koreanische Medizin, über 2000 Jahre dokumentiert
- Leitsubstanzen: Ginsenoside (Triterpen-Saponine), über 50 Verbindungen identifiziert
- Standardisierung in ALPHORA FOKUS: 100 mg standardisierter Extrakt
- Detailseite: /panax-ginseng
Die Kombination der beiden ist keine pharmakologische Zwingenheit — sie ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung. Die Logik: zwei lange dokumentierte Pflanzen mit jeweils unterschiedlichem Profil in einer Tagesportion zusammenführen, statt nur auf eine zu setzen.
Wie sich Adaptogene in eine Fokus-Formel einfügen
ALPHORA FOKUS ist kein reines Adaptogen-Produkt. Die Formel kombiniert Pflanzenextrakte mit Aminosäuren (L-Theanin, L-Tyrosin), einem Phospholipid-Vorläufer (Citicolin), einem Stimulans (Koffein) und aktivierten B-Vitaminen.
Die Rolle der Adaptogene in dieser Mehrstoff-Formel ist strukturell: sie sind die Komponenten mit der längsten dokumentierten Anwendungstradition. Sie ergänzen die akut wirkenden Bestandteile (Koffein, L-Theanin) um Substanzen, deren Geschichte länger ist als die der gesamten Supplement-Industrie.
Wer Adaptogene mit Vorsicht verwenden sollte
Wechselwirkungen sind je nach Pflanze unterschiedlich:
- Rhodiola Rosea — bei MAO-Hemmern und bestimmten Antidepressiva sind Wechselwirkungen dokumentiert.
- Panax Ginseng — bei Blutverdünnern (Warfarin), Diabetes-Medikamenten und MAO-Hemmern.
- Beide — in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, da keine ausreichende Datenlage.
Bei Einnahme von Medikamenten oder bestehenden Erkrankungen vor Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bestehenden Erkrankungen oder Einnahme von Medikamenten vor Einnahme ärztlichen Rat einholen.