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Die 1:2-Ratio: Was die Studienlandschaft zu Koffein und L-Theanin sagt

Eine Konvention aus der Studienliteratur, kein physiologisches Naturgesetz. Aber sie hält sich aus guten Gründen.

In der Supplement-Literatur taucht eine Zahlen-Kombination immer wieder auf: 100 mg Koffein zu 200 mg L-Theanin. Oder, in Verhältnis-Form: 1:2 (Koffein zu L-Theanin). Wer einen seriösen Fokus-Booster auf den Markt bringt, orientiert sich an dieser Ratio. Wer einen unseriösen baut, ignoriert sie.

Was wenig diskutiert wird: Woher kommt diese Zahl eigentlich? Ist sie ein physiologisches Naturgesetz? Oder eine historische Konvention, die sich aus der Studienlandschaft entwickelt hat — und einfach nicht überdacht wurde?

Die nüchterne Antwort: das Zweite. Die 1:2-Ratio ist eine Studienlandschaft-Konvention, keine biologische Notwendigkeit. Sie hält sich, weil sie in der Tee-Pflanze annähernd vorkommt und weil die ersten systematischen Forschungsarbeiten sie verwendet haben. Dieser Text geht durch, was die Literatur tatsächlich sagt — und was die Ratio in der Praxis bedeutet.

Wie L-Theanin entdeckt wurde

1949 isolierte ein japanischer Wissenschaftler in einem Labor in Kyoto eine bis dahin unbekannte Aminosäure aus grünem Tee. Sein Name war Yajiro Sakato, und er nannte die Substanz Theanin — abgeleitet von der lateinischen Bezeichnung der Teepflanze, Camellia sinensis (früher Thea sinensis).

Die Besonderheit: Theanin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure. Das heißt, sie wird nicht in körpereigenen Proteinen verbaut. Außerdem kommt sie in nennenswerten Mengen praktisch nur in der Teepflanze vor (sowie in einer eng verwandten Pilzgattung). Keine andere Nahrungsquelle liefert L-Theanin in relevanter Konzentration.

In der Teepflanze tritt L-Theanin immer zusammen mit Koffein auf. Eine Tasse Sencha (japanischer grüner Tee) enthält rund 20–45 mg L-Theanin und 20–45 mg Koffein — also etwa im Verhältnis 1:1. Bei Matcha (pulverisierter grüner Tee) konzentrierter, aber im ähnlichen Verhältnis.

Die natürliche Ratio in der Teepflanze

Wer traditionell grünen Tee trinkt, nimmt Koffein und L-Theanin in einem natürlichen Verhältnis auf, das sortenabhängig zwischen 1:1 und 1:1,5 schwankt. Es gibt keine Tee-Sorte, in der das Verhältnis 1:2 oder höher liegt — also mehr L-Theanin als Koffein in absoluten Mengen.

Das ist wichtig zu betonen, weil die Supplement-Industrie manchmal suggeriert, die 1:2-Ratio sei „natürlich”. Sie ist es nicht. Sie ist eine bewusste Verschiebung des natürlichen Verhältnisses zugunsten des L-Theanins. Die Frage: Warum?

Die ersten Studien: 2008 und danach

Die erste Welle systematischer Studien zur Kombination Koffein + L-Theanin erschien zwischen 2007 und 2010. Forscher in Großbritannien (Universität Reading), den Niederlanden (Universität Maastricht) und einigen anderen Standorten begannen, die Kombination unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen.

In den meisten dieser frühen Studien wurden 50 mg Koffein und 100 mg L-Theanin verwendet — also exakt die 1:2-Ratio. Die Wahl dieser Mengen war pragmatisch:

  • 50 mg Koffein entsprach grob einer halben Tasse Filterkaffee — eine moderate, gut verträgliche Dosis.
  • 100 mg L-Theanin lag deutlich über der natürlichen Tee-Aufnahme, was es ermöglichen sollte, einen Effekt der Aminosäure überhaupt sichtbar zu machen.

Die 1:2-Ratio war also nicht aus einer biologischen Logik abgeleitet, sondern aus einer Studiendesign-Überlegung: man wollte den L-Theanin-Effekt deutlicher sichtbar machen, also wurde die Aminosäure relativ zum Koffein höher dosiert als in der Tee-Realität.

Die Studien sind kein einheitlicher Block. Einige zeigten Effekte auf bestimmte Aufmerksamkeits-Maße, andere nicht. Die Effekte waren in der Regel klein und situations-spezifisch — ein Muster, das in der Supplement-Forschung üblich ist und keine Wirkversprechung rechtfertigt.

Wie sich 100/200 mg etabliert hat

Aus den 50/100-mg-Studien wurde im Laufe der 2010er-Jahre die doppelte Dosis zur Standard-Konvention im Supplement-Markt: 100 mg Koffein, 200 mg L-Theanin. Drei Gründe:

  1. Praktische Relevanz. 100 mg Koffein entsprechen einer typischen Filterkaffee-Tasse — eine Menge, die viele Menschen ohnehin täglich konsumieren. Eine Supplement-Dosierung in dieser Region ist alltagskompatibel.

  2. EFSA-Kontext. Die EFSA bewertet 200 mg als unbedenkliche Einzeldosis. 100 mg liegt komfortabel darunter und lässt Spielraum für eine zusätzliche Tasse Kaffee.

  3. Tradition der Verdopplung. Ein Marktphänomen mehr als eine wissenschaftliche Logik: Hersteller verdoppeln gerne Studien-Dosierungen, wenn sie sicherheitstechnisch im grünen Bereich bleiben.

Die 100/200-Konvention ist heute die De-facto-Norm für seriöse Mehrstoff-Fokus-Formeln. Wer von dieser Norm deutlich abweicht — etwa 200 mg Koffein zu nur 50 mg L-Theanin — verlässt das Studien-Muster.

Was die Kombinations-Logik in der Theorie ist

In der Fachliteratur wird die Logik der Kombination zurückhaltend beschrieben. Die zwei am häufigsten genannten Beobachtungen:

EEG-Effekte. L-Theanin allein zeigt in einigen Studien Veränderungen bestimmter EEG-Muster (Alpha-Wellen). Diese Beobachtungen sind technisch und ihre alltagspraktische Bedeutung ist umstritten.

Subjektive Berichte. Anwender, die Koffein und L-Theanin gemeinsam einnehmen, berichten häufiger von einer gleichmäßigeren Wirkung als bei reinem Koffein — weniger Spitzen, weniger ausgeprägter Abfall. Diese Berichte sind anekdotisch konsistent, aber subjektive Berichte sind methodisch begrenzt.

Was die EU-Rechtslage zulässt: eine neutrale Beschreibung dieser Beobachtungen, ohne sie als spezifische Wirkung zu kommunizieren. Aussagen wie „Koffein und L-Theanin in Kombination verbessern die Konzentration” sind im Rahmen von Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig, weil weder für L-Theanin allein noch für die Kombination ein EU-autorisierter Health Claim auf Artikel-13.1-Ebene existiert.

Was die 1:2-Ratio in der Praxis bedeutet

Was Sie als Nutzer von der Konvention behalten können:

  • 100 mg Koffein entspricht etwa einer Tasse Filterkaffee — eine moderate Dosis.
  • 200 mg L-Theanin ist etwa fünfmal die Menge, die in einer Tasse hochwertigem Matcha enthalten ist.
  • Wer parallel Kaffee trinkt, liegt typischerweise bei 180–220 mg Gesamt-Koffein, also nahe der EFSA-Einzeldosis-Schwelle (200 mg). Das ist okay für gesunde Erwachsene, aber eine bewusste Mengen-Wahrnehmung lohnt sich.
  • Eine höhere L-Theanin-Dosierung (etwa 1:3) ist nicht dokumentiert besser — die Studienlage liegt überwiegend bei 1:2.

Wie ALPHORA FOKUS damit umgeht

ALPHORA FOKUS verwendet 100 mg Koffein und 200 mg L-Theanin pro Tagesportion (zwei Kapseln) — exakt die 1:2-Ratio wie in der Studienlandschaft etabliert.

Über die reine Koffein/L-Theanin-Ebene hinaus enthält die Formel vier weitere Wirkstoffe: L-Tyrosin (300 mg), Citicolin (250 mg), Rhodiola Rosea (200 mg, 3 % Rosavine) und Panax Ginseng (100 mg) — plus aktiviertes Vitamin B6 und B12. Die Idee ist, dass eine Mehrstoff-Formel die Logik mehrerer kleiner, gut dokumentierter Bausteine kombiniert, statt auf einen einzelnen Hochdosis-Wirkstoff zu setzen.

Wer mehr zur Pharmakologie von Koffein lesen möchte: /koffein. Wer den L-Theanin-Hintergrund vertiefen will: /l-theanin. Und wer sich fragt, wie sich Crashs systematisch ergeben: /koffein-alternative.

Zum Mitnehmen

Die 1:2-Ratio ist eine Studien-Konvention, kein Naturgesetz. Sie hält sich, weil:

  1. Sie in den ersten systematischen Studien verwendet wurde.
  2. Sie der natürlichen Tee-Komposition relativ nahe kommt.
  3. 100/200 mg eine alltagskompatible Mengen-Region ist, die deutlich unter den EFSA-Sicherheitsschwellen liegt.

Was sie nicht ist: ein magisches Verhältnis, das spezifische Wirkungen garantiert. Wer einen seriösen Fokus-Booster sucht, achtet auf die Ratio als ein Qualitätsmerkmal von vielen — neben transparenter Deklaration, Laborprüfung, Standardisierung der Pflanzenextrakte und Herkunft der Rohstoffe.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Koffein-sensitive Personen, Schwangere, Stillende und Personen mit bestehenden Erkrankungen sollten vor Einnahme ärztlichen Rat einholen.

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