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Ashwagandha: Wirkstoffe, Studienlage und BfR-Warnung

Ashwagandha gibt es als Pulver, Kapseln, Tropfen und Tee, im Laden wie online. Die Studienlage ist schmaler, als die Werbung vermuten lässt, und das Bundesinstitut für Risikobewertung mahnt zur Zurückhaltung.

Ashwagandha (Withania somnifera) ist eine Pflanze aus der ayurvedischen Medizin, deren Wurzelextrakte vor allem im Zusammenhang mit Stressempfinden und Schlaf untersucht wurden, meist in kleinen Studien. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät in seiner Mitteilung vom 10. September 2024 Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankungen von Ashwagandha-Präparaten ab.

Dieser Beitrag ordnet ein, was in Ashwagandha steckt, was die Studien tatsächlich gemessen haben und warum Behörden in Europa zurückhaltend sind. Vorweg: Ashwagandha ist kein Bestandteil von ALPHORA FOKUS. Wie sich die Pflanze von Rhodiola unterscheidet, erklärt der Beitrag Ashwagandha vs. Rhodiola.

Was ist Ashwagandha?

Im Deutschen heißt Ashwagandha auch Schlafbeere, indischer Ginseng oder Winterkirsche. Verwendet wird vor allem die Wurzel, in neueren Produkten teilweise auch die Blätter. Als biologisch wirksame Inhaltsstoffe nennt das BfR vor allem die Withanolide und Alkaloide. Welche Substanz in welcher Menge für die in Studien berichteten Effekte verantwortlich sein könnte, lässt sich nach Einschätzung des BfR allerdings nicht eindeutig benennen.

Dazu kommt ein praktisches Problem. Das BfR geht davon aus, dass sich Art und Gehalt der Inhaltsstoffe zwischen einzelnen Präparaten stark unterscheiden. Ob Wurzel oder Blatt verarbeitet wurde und mit welchem Verfahren extrahiert wurde, verändert die Zusammensetzung. Zwei Kapseln mit „Ashwagandha“ auf dem Etikett sind deshalb nicht automatisch vergleichbar. Wie die Pflanze historisch zu den sogenannten Adaptogenen gezählt wurde, steht auf der Themenseite Adaptogene.

Was wurde in Studien untersucht?

Die meisten Humanstudien drehen sich um wahrgenommenen Stress, Ängstlichkeit und Schlaf. Zwei Übersichtsarbeiten zeigen den Stand:

ArbeitThemaUmfangFazit der Arbeit
Cheah et al., 2021 (PLoS One)Schlaf5 Studien, 400 Erwachsenekleiner Effekt; Daten zur Langzeitsicherheit begrenzt
Akhgarjand et al., 2022 (Phytotherapy Research)Stress und Angst12 Studien, 1002 TeilnehmendeVertrauenswürdigkeit der Evidenz niedrig

In der Schlaf-Analyse waren die Unterschiede in Untergruppen deutlicher: bei Erwachsenen mit diagnostizierter Insomnie, bei Mengen ab 600 mg pro Tag und bei einer Dauer ab acht Wochen. Die Stress-Analyse umfasste Teilnehmende zwischen 25 und 48 Jahren. Die Ergebnisse der einzelnen Studien wichen stark voneinander ab, und die Autorinnen und Autoren fordern weitere Studien von hoher Qualität.

Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) weist darauf hin, dass viele Studien kleine Teilnehmerzahlen hatten und unterschiedliche Zubereitungen verwendeten. Für die Frage nach Angst hält es die Datenlage für unklar. Das BfR ergänzt einen Punkt, der in der Diskussion oft untergeht: Untersucht wurden vor allem mögliche Nutzen, unerwünschte Wirkungen wurden nicht systematisch erfasst. Für eine Sicherheitsbewertung taugen diese Studien deshalb nur eingeschränkt.

039/2024
BfR-Mitteilung zu Ashwagandha
400
Personen in der Schlaf-Meta-Analyse
0
zugelassene EU-Health-Claims

Was sagt das BfR genau?

Die Mitteilung 039/2024 trägt den Titel „Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken“. Die Kernpunkte:

  • Leber: Seit 2017 wurden weltweit, auch aus Europa und Deutschland, Fallberichte und Verdachtsfälle zu teils schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen veröffentlicht. Vor allem Berichte über Leberschäden, darunter Fälle von akutem Leberversagen, geben aus Sicht des BfR Anlass zur Vorsicht.
  • Akute Beschwerden: Genannt werden Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge.
  • Hormone und Immunsystem: Es gibt Hinweise, dass die Präparate das Immunsystem und das Hormonsystem beeinflussen können, etwa Cortisol, Blutzucker, Schilddrüsen- und Sexualhormone.
  • Kein Richtwert: Eine gesundheitlich unbedenkliche Aufnahmemenge ließ sich aus den vorhandenen Daten nicht ableiten.

Daraus folgt die Empfehlung: Kinder, Schwangere, Stillende sowie Menschen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung sollen keine Ashwagandha-Präparate einnehmen. Allen anderen rät das BfR wegen der Datenlücken zur Zurückhaltung. Zugleich hält das Institut fest, dass die Datenlage eine abschließende Risikobewertung derzeit nicht zulässt.

Wie solche Leberschäden aussehen können, beschreibt eine Fallserie aus Island und den USA (Björnsson et al., 2020). Die fünf Betroffenen entwickelten nach zwei bis zwölf Wochen Einnahme eine Gelbsucht, dazu Übelkeit, Abgeschlagenheit, Juckreiz und Bauchbeschwerden. Ein Leberversagen trat in dieser Serie nicht auf, bei vier Personen normalisierten sich die Leberwerte innerhalb von ein bis fünf Monaten.

Wie gehen andere Länder mit Ashwagandha um?

Deutschland steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Laut BfR haben zwischen 2020 und 2024 unter anderem die Technische Universität Dänemarks (DTU), das niederländische RIVM, die französische ANSES und die australische Arzneimittelbehörde TGA die Datenlage neu bewertet. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass Ashwagandha-Zubereitungen den Blutzucker, die Sexualhormone, das zentrale Nervensystem sowie die Schilddrüsen-, Nebennieren- und Leberfunktion beeinflussen können.

Am weitesten geht Dänemark. Nach Angaben der dänischen Lebensmittelbehörde Fødevarestyrelsen ist der Verkauf von Ashwagandha als Lebensmittel dort nicht erlaubt, das schließt Nahrungsergänzungsmittel ein. Grundlage ist eine Risikobewertung der DTU, die unter anderem negative Effekte auf Sexualhormone und Fortpflanzung bei Männern und Frauen beschreibt.

Auf EU-Ebene ist die Verwendung von Pflanzenstoffen wie Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln nach Einschätzung des BfR bislang unzureichend geregelt. Das Institut hatte bereits 2012 empfohlen, die Wurzel in das EU-Prüfverfahren für Stoffe mit möglichen Sicherheitsbedenken aufzunehmen, nach Anhang III Teil C der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006.

Zum rechtlichen Rahmen Für Ashwagandha gibt es keinen von der EU zugelassenen Health Claim. Die Bewertung gesundheitsbezogener Angaben zu Pflanzenstoffen ist seit Jahren ausgesetzt („on hold“). Dieser Beitrag beschreibt Studien und Behördenbewertungen, er macht keine Aussage über eine Wirkung. Wie das System funktioniert, erklärt der Beitrag EU Health Claims erklärt.

Wechselwirkungen: wer besonders vorsichtig sein sollte

Das BfR nennt Hinweise auf Wechselwirkungen mit Medikamenten, die den Blutzucker (Antidiabetika), den Blutdruck (Blutdrucksenker) und das Immunsystem (Immunsuppressiva) regulieren, und rät bei Einnahme solcher Arzneimittel zur ärztlichen Rücksprache. Das NCCIH führt zusätzlich Beruhigungsmittel, Mittel gegen Krampfanfälle und Schilddrüsenhormone auf.

Darüber hinaus empfiehlt das NCCIH Ashwagandha nicht für Menschen mit Autoimmun- oder Schilddrüsenerkrankungen und nicht vor einer geplanten Operation. In Schwangerschaft und Stillzeit soll die Pflanze laut NCCIH nicht verwendet werden. Für eine kurzfristige Einnahme von bis zu drei Monaten hält das NCCIH Ashwagandha für möglicherweise sicher, zur Langzeitsicherheit reichen die Daten nicht.

Wann ärztlich abklären?

Ärztlichen Rat solltest du vor einer Einnahme einholen, wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, eine Schilddrüsen-, Autoimmun- oder Lebererkrankung hast, eine Operation ansteht oder du schwanger bist oder stillst.

Während einer Einnahme gilt: Treten Gelbfärbung von Haut oder Augen, starker Juckreiz, anhaltende Übelkeit, ungewohnte Abgeschlagenheit oder Bauchbeschwerden auf, das Präparat absetzen und zeitnah ärztlich abklären lassen. Das sind die Beschwerden, die in der genannten Fallserie beschrieben wurden. Erwähne dabei auch Nahrungsergänzungsmittel, denn sie werden im Gespräch leicht vergessen.

Ist Ashwagandha in ALPHORA FOKUS enthalten?

Nein. Ashwagandha ist kein Bestandteil von ALPHORA FOKUS. Wer die beiden bekanntesten Adaptogene vergleichen möchte, findet die Gegenüberstellung im Beitrag Ashwagandha vs. Rhodiola, die Einordnung der Pflanzengruppe auf der Seite Adaptogene.

Fazit

Ashwagandha ist breit vermarktet, aber schmal belegt. Die Studien sind überwiegend klein, verwenden unterschiedliche Extrakte und haben Nebenwirkungen kaum systematisch erfasst. Das BfR rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankungen ab, Dänemark erlaubt den Verkauf als Lebensmittel nicht. Wer Medikamente nimmt oder eine Schilddrüsen-, Autoimmun- oder Lebererkrankung hat, klärt eine Einnahme vorher ärztlich.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Pflanzenstoffe können mit Medikamenten wechselwirken. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Warum rät das BfR von Ashwagandha ab?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist in seiner Mitteilung 039/2024 auf Fallberichte über Leberschäden, darunter Fälle von akutem Leberversagen, sowie auf Hinweise auf Effekte auf das Immunsystem, die Schilddrüsen- und die Sexualhormone. Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien kaum systematisch erfasst, eine unbedenkliche Aufnahmemenge ließ sich nicht ableiten. Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankungen rät das BfR deshalb von der Einnahme ab.

Was wurde zu Ashwagandha und Schlaf untersucht?

Eine Meta-Analyse von Cheah et al. (2021) wertete fünf randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 400 Erwachsenen aus. Die Autorinnen und Autoren berichten einen kleinen Unterschied bei Schlafmaßen, deutlicher bei Menschen mit diagnostizierter Insomnie, bei Mengen ab 600 mg pro Tag und ab acht Wochen Dauer. Für eine Bewertung der Langzeitsicherheit fehlen laut der Arbeit ausreichende Daten.

Mit welchen Medikamenten kann Ashwagandha wechselwirken?

Das BfR nennt Hinweise auf Wechselwirkungen mit Mitteln, die den Blutzucker, den Blutdruck oder das Immunsystem regulieren. Das US-amerikanische NCCIH ergänzt Beruhigungsmittel, Mittel gegen Krampfanfälle und Schilddrüsenhormone. Wer solche Medikamente nimmt, sollte vor einer Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Ist Ashwagandha in Deutschland erlaubt?

Ashwagandha-Präparate sind in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel im Handel. Eine staatliche Zulassung vor dem Verkauf gibt es für Nahrungsergänzungsmittel nicht, für die Sicherheit ist der Hersteller verantwortlich. In Dänemark ist der Verkauf von Ashwagandha als Lebensmittel laut der dänischen Lebensmittelbehörde nicht erlaubt. Einen in der EU zugelassenen Health Claim gibt es für Ashwagandha nicht.

Ist Ashwagandha in ALPHORA FOKUS enthalten?

Nein. Ashwagandha ist kein Bestandteil von ALPHORA FOKUS. Dieser Beitrag ordnet die Pflanze unabhängig davon ein.

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