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N° 01 · Grundlagen

Herzrasen nach Koffein: Ursachen, Grenzwerte, wann zum Arzt

Ein schneller Puls nach dem dritten Espresso ist unangenehm und geht meist vorbei. Es gibt aber Warnzeichen, bei denen Sie nicht abwarten sollten.

Ja, Koffein kann Herzrasen auslösen, vor allem in größeren Mengen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt Herzrasen neben Nervosität und Schlaflosigkeit als mögliche Folge zu hoher Aufnahme. Für gesunde Erwachsene stuft die EFSA bis 200 mg als Einzeldosis und 400 mg pro Tag als unbedenklich ein, in der Schwangerschaft bis 200 mg pro Tag.

Meist ist ein schneller Puls nach Kaffee oder Energy Drink unangenehm, aber vorübergehend. Dieser Beitrag erklärt, wie er entsteht, wer empfindlicher reagiert, was Sie selbst tun können und bei welchen Zeichen Sie nicht abwarten sollten.

Warum Koffein das Herz schneller schlagen lässt

Koffein wirkt vor allem als Gegenspieler von Adenosin: Es besetzt dessen Rezeptoren, ohne sie zu aktivieren. So beschreibt es die Fachinformation von Coffein-Arzneimitteln. Adenosin ist unter anderem das Signal, das über den Tag Müdigkeit aufbaut. Die Mechanik dahinter erklärt der Beitrag Adenosin: warum wir müde werden.

Für das Herz ist ein zweiter Effekt wichtig. Größere Mengen Koffein erhöhen die Aktivität des sympathischen Nervensystems und die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin im Blut, fasst eine Übersichtsarbeit zu Koffein und Herzrhythmus zusammen (Hamad 2024). Puls und Blutdruck können dadurch vorübergehend steigen. Die Fachinformation von Coffein-Tabletten hält fest, dass schon niedrige Dosen zu einem beschleunigten Herzschlag führen können. Wie stark das ausfällt, hängt von der individuellen Empfindlichkeit ab.

Neben echtem Herzrasen spüren manche Menschen eher ein Stolpern. Das sind meist Extraschläge, sogenannte Extrasystolen. Laut Deutscher Herzstiftung können sie unter anderem nach Kaffee, Alkohol oder Nikotin auftreten und sind meist harmlos. Eine kontrollierte Studie mit 100 Erwachsenen und Langzeit-EKG (Marcus et al. 2023) zeigt den Zusammenhang: An Kaffeetagen zählten die Forschenden im Schnitt 154 Extraschläge aus den Herzkammern pro Tag, an koffeinfreien Tagen 102. Die Zahl der Extraschläge aus den Vorhöfen unterschied sich dagegen nicht signifikant.

Wichtig für die Einordnung: Gewohnheitsmäßiger Kaffeekonsum war in einer großen Beobachtungsstudie mit 386.258 Personen nicht mit einem höheren Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden (Kim et al. 2021). Herzrasen nach einer großen Menge ist in der Regel ein vorübergehender Effekt der Dosis. Wiederkehrende Beschwerden sollten trotzdem ärztlich abgeklärt werden.

Ab welcher Menge wird es kritisch?

Die EFSA hat 2015 bewertet, welche Mengen für gesunde Erwachsene unbedenklich sind:

GruppeUnbedenkliche Menge laut EFSA
Gesunde Erwachsene, Einzeldosisbis 200 mg
Gesunde Erwachsene, pro Tagbis 400 mg
Schwangere, pro Tagbis 200 mg
Kinder und Jugendliche3 mg pro kg Körpergewicht und Tag

Zur Orientierung nennt die EFSA Richtwerte: ein Espresso etwa 80 mg, eine Tasse Filterkaffee (200 ml) etwa 90 mg, eine Dose Energy Drink (250 ml) etwa 80 mg. Zwei Tassen Filterkaffee und ein Energy Drink kurz hintereinander ergeben rund 260 mg und liegen damit über der Einzeldosis. Wie viel Sie über den Tag zusammenbringen, rechnet der Koffein-Tageslimit-Rechner nach. Die Werte im Detail erklärt der Beitrag EFSA-Koffein-Grenzen.

Zwei Einschränkungen nennt das BfR ausdrücklich. Erstens gelten die EFSA-Werte nicht für Menschen mit Erkrankungen oder Beschwerden und nicht bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten. Zweitens wird es bei sehr hohen Mengen gefährlich: 5 bis 10 Gramm reines Koffein gelten als lebensgefährlich. Mit Kaffee erreicht man das praktisch nicht, dafür wären rund zehn Liter nötig. Mit hochkonzentriertem Koffeinpulver reichen dagegen ein bis zwei Teelöffel.

Wer empfindlicher auf Koffein reagiert

  • Langsame Abbauer. Rund 95 Prozent des Koffeins werden in der Leber über das Enzym CYP1A2 abgebaut. Genetische Varianten dieses Enzyms erklären einen großen Teil der Unterschiede zwischen Menschen, Varianten im Adenosin-Rezeptor beeinflussen zusätzlich die Empfindlichkeit (Nehlig 2018). Bei langsamem Abbau bleibt Koffein länger im Blut.
  • Menschen mit Angst- oder Panikstörung. In einer Meta-Analyse hatten 51 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Panikstörung nach hohen Koffeindosen (rund 400 bis 750 mg) eine Panikattacke, nach Placebo niemand (Klevebrant und Frick 2022).
  • Schwangere. Für sie gilt die niedrigere EFSA-Grenze von 200 mg pro Tag.
  • Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion. Die Gebrauchsinformation von Coffein-Tabletten warnt vor einer Verstärkung der Nebenwirkungen. Schilddrüsenerkrankungen können laut Herzstiftung selbst Herzstolpern auslösen.
  • Menschen mit bekannten Herzrhythmusstörungen. Laut derselben Gebrauchsinformation sollten sie, ebenso wie Menschen mit Angststörungen oder Schilddrüsenüberfunktion, Coffein nur in niedriger Dosierung von etwa 100 mg oder unter ärztlicher Überwachung erhalten.
  • Menschen, die Medikamente nehmen. Manche Wirkstoffe bremsen den Koffeinabbau stark, andere verstärken die Wirkung auf den Puls, etwa abschwellende Erkältungsmittel. Details stehen im Beitrag Koffein und Medikamente.

Ein Sonderfall sind große Mengen Energy Drinks zusammen mit Alkohol oder intensivem Sport. Das BfR verweist auf Fallberichte von teils schweren Herzrhythmusstörungen in solchen Situationen, ein ursächlicher Zusammenhang ist allerdings nicht geklärt.

Was Sie bei Herzrasen nach Koffein tun können

  1. Kein weiteres Koffein. Dazu zählen auch Cola, Energy Drinks, Pre-Workout-Produkte und Koffeintabletten.
  2. Hinsetzen oder hinlegen und ruhig atmen.
  3. Wasser trinken statt zum nächsten koffeinhaltigen Getränk zu greifen.
  4. Abwarten und beobachten. Die Wirkung lässt nach, während der Körper das Koffein abbaut. Die Halbwertszeit liegt bei rund fünf Stunden. Wie lange Koffein im Körper bleibt, erklärt der Beitrag Wie lange wirkt Koffein?.
  5. Danach die Menge prüfen. Wer wiederholt Herzrasen bekommt, reduziert die Gesamtmenge oder verteilt sie über den Tag. Wie sich der Konsum schrittweise senken lässt, beschreibt der Beitrag Koffein-Toleranz reduzieren.

Wann zum Arzt oder 112

Sofort den Notruf 112 wählen Bei Herzrasen zusammen mit Schmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust, vor allem wenn starke Schmerzen länger als fünf Minuten in Ruhe anhalten. Ebenso bei Atemnot, Ohnmacht oder kurzer Bewusstlosigkeit und bei Verdacht auf eine Überdosis, etwa nach Koffeintabletten oder Koffeinpulver. Die Giftnotrufzentralen der Länder beraten zusätzlich bei Vergiftungsverdacht.

Die Deutsche Herzstiftung nennt vier Warnzeichen, bei denen eine Untersuchung dringend ist: Schwindel, Luftnot, Brustschmerz oder Ohnmacht. Sie können auf eine ernste Herzerkrankung hinweisen.

Zeitnah in die Hausarztpraxis gehören Sie außerdem, wenn

  • das Herzrasen nicht abklingt, obwohl Sie kein Koffein mehr aufnehmen,
  • Herzrasen oder Herzstolpern immer wieder auftritt, auch schon bei kleinen Mengen,
  • der Puls deutlich unregelmäßig ist und das länger anhält,
  • Sie eine bekannte Herzerkrankung, Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenerkrankung haben,
  • Sie schwanger sind.

Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. In lebensbedrohlichen Fällen gilt immer die 112. Bei bekannter Herzerkrankung ist es besser, einmal zu früh anzurufen als einmal zu spät.

Fazit

Herzrasen nach Koffein ist meist ein vorübergehender Effekt zu großer Mengen und lässt mit dem Abbau nach. Die EFSA-Grenzen von 200 mg pro Einzeldosis und 400 mg pro Tag gelten für gesunde Erwachsene, nicht für Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen oder bei Medikamenteneinnahme. Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht sind keine Koffeinfrage mehr, sondern ein Fall für ärztliche Hilfe.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei akuten Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot oder Bewusstlosigkeit wählen Sie den Notruf 112. Die Gesamt-Koffeinaufnahme aus allen Quellen sollte im Blick behalten werden. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme klären Sie Ihren Koffeinkonsum ärztlich ab.

Häufige Fragen

Kann Koffein Herzrasen auslösen?

Ja. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt Herzrasen neben Nervosität, Schlaflosigkeit und Schwitzen als mögliche Folge höherer Koffeinmengen. Wie stark jemand reagiert, hängt von Menge, Gewöhnung, Genetik, Gesundheitszustand und Medikamenten ab.

Wie viel Koffein ist unbedenklich?

Für gesunde Erwachsene stuft die EFSA bis 200 mg als Einzeldosis und bis 400 mg pro Tag aus allen Quellen als unbedenklich ein, für Schwangere bis 200 mg pro Tag. Laut BfR gelten diese Werte nicht für Menschen mit Erkrankungen oder Beschwerden und nicht bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten.

Was hilft bei Herzrasen nach Kaffee?

Kein weiteres Koffein aufnehmen, hinsetzen, ruhig atmen und Wasser statt eines weiteren koffeinhaltigen Getränks trinken. Die Wirkung lässt nach, während der Körper das Koffein abbaut, die Halbwertszeit liegt bei rund fünf Stunden. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht sofort die 112 anrufen.

Wann muss ich mit Herzrasen zum Arzt?

Laut Deutscher Herzstiftung ist eine Untersuchung dringend, wenn zusätzlich Schwindel, Luftnot, Brustschmerz oder Ohnmacht auftreten. Starke Schmerzen in der Brust, die länger als fünf Minuten in Ruhe anhalten, sind ein Fall für den Notruf 112. Auch wiederkehrendes Herzrasen oder eine bekannte Herzerkrankung gehören ärztlich abgeklärt.

Ist Kaffee schlecht für das Herz?

Für gesunde Menschen in üblichen Mengen gibt es dafür keine Belege. In einer Auswertung von 386.258 Personen der UK Biobank war mehr gewohnheitsmäßiger Kaffeekonsum nicht mit einem höheren Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden. In einer kontrollierten Studie traten an Kaffeetagen allerdings mehr Extraschläge aus den Herzkammern auf.

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