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N° 01 · Grundlagen

Koffein-Überdosis: ab wann es gefährlich wird, Symptome und was zu tun ist

Zittern und Herzklopfen nach dem dritten Energy Drink sind unangenehm, aber meist vorübergehend. Gefährlich wird es vor allem mit Pulver und Tabletten.

Für gesunde Erwachsene gelten laut EFSA bis 200 mg Koffein auf einmal und 400 mg pro Tag als unbedenklich. Vergiftungssymptome sind laut Fachinformation koffeinhaltiger Tabletten ab etwa 1 g möglich, wenn die Menge in kurzer Zeit aufgenommen wird. Als potenziell lebensgefährlich stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 5 bis 10 g reines Koffein ein, grob ein bis zwei Teelöffel Pulver.

Merksatz: Mit Kaffee allein ist eine lebensgefährliche Menge kaum zu erreichen, dafür wären laut BfR rund zehn Liter nötig. Mit Koffeinpulver oder Tabletten geht es schnell.

Akute Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit? Sofort die 112 wählen.

Ab wann wird Koffein gefährlich?

Die Grenzen hängen von Menge, Tempo und Person ab. Die Tabelle ordnet die wichtigsten Werte ein:

Koffeinmengen und ihre Einordnung (gesunde Erwachsene, sofern nicht anders angegeben)
MengeEinordnungQuelle
bis 200 mg auf einmalunbedenklichEFSA
bis 400 mg pro Tag, verteiltunbedenklich, außer in der SchwangerschaftEFSA
bis 200 mg pro TagGrenze für SchwangereEFSA
3 mg pro kg KörpergewichtGrenze für Kinder und Jugendliche, bei 50 kg also 150 mgEFSA
mehr als 200 mgauch bei weniger empfindlichen Menschen Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Zittern möglichFachinformation
ab etwa 1 g in kurzer ZeitVergiftungssymptome möglichFachinformation
rund 1,2 g, schnell aufgenommenKrampfanfälle möglichFDA
3 bis 10 gtödliche Dosen laut Fachinformation, 5 bis 10 g laut BfR potenziell lebensgefährlichFachinformation, BfR

Zur Einordnung: 1 g Koffein entspricht nach den BfR-Richtwerten gut elf Tassen Filterkaffee, gut zwölf kleinen Dosen Energy Drink oder fünf Koffeintabletten zu je 200 mg. Wie viel in welchem Getränk steckt, zeigt die Übersicht Koffeingehalt von Kaffee, Tee, Cola und Energy Drinks.

Wichtig: Die EFSA-Werte gelten für gesunde Menschen. Ausdrücklich nicht bewertet hat die EFSA Menschen mit Erkrankungen und die Kombination mit Medikamenten.

Warum Pulver und Tabletten das Hauptrisiko sind

Bei reinem Koffeinpulver entspricht die Menge Pulver der Menge Koffein. Die unbedenkliche Einzeldosis von 0,2 g ist laut BfR grob eine Messerspitze, die sich mit Küchenwaage oder Messlöffel nicht exakt abmessen lässt. Ein bis zwei Teelöffel enthalten bereits 5 bis 10 g. Das BfR beschreibt den Fall einer jungen Frau in Deutschland, die versehentlich zwei Teelöffel hochkonzentriertes Pulver, etwa 9 g, einnahm und trotz Intensivbehandlung starb.

Die US-Lebensmittelbehörde FDA warnt ebenfalls: Ein Teelöffel reines Koffeinpulver kann so viel Koffein enthalten wie 28 Tassen Kaffee. Eine Übersichtsarbeit, die 92 Todesfälle auswertete, hält fest, dass lebensbedrohliche Überdosierungen in der Regel auf koffeinhaltige Arzneimittel zurückgehen, nicht auf Lebensmittel oder Getränke (Cappelletti et al. 2018).

Auch Koffein zum Schnupfen ist schwer zu dosieren, mehr dazu im Beitrag Energy Sniff. Bei Tabletten steht die Menge auf der Packung, einordnen lässt sie sich auf der Seite Koffeintabletten.

Woran erkennst du zu viel Koffein?

Häufige Anzeichen

  • Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, Angst
  • Zittern
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Schlaflosigkeit
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen

Diese Beschwerden nennen BfR, FDA und die Fachinformation für Koffeintabletten. Wie stark sie ausfallen, hängt laut BfR von Dosis und individueller Empfindlichkeit ab. Mehr zum schnellen Puls im Beitrag Herzrasen nach Koffein.

Warnzeichen einer Vergiftung

  • sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag (Herzrhythmusstörungen)
  • Erbrechen und Durchfall
  • Benommenheit, Verwirrtheit, Desorientierung
  • Krampfanfälle
  • Kreislaufversagen

Die FDA nennt diese Zeichen für hochdosiertes Koffein, das BfR beschreibt bei mehreren Gramm akut lebensbedrohliches Kreislaufversagen.

Wann muss ich die 112 rufen?

Sofort den Notruf 112 wählen bei Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht, bei einem Krampfanfall, bei Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, bei Atemnot und bei sehr schnellem oder unregelmäßigem Herzschlag mit Schwindel oder Verwirrtheit. Bewusstlose Menschen in die stabile Seitenlage bringen und ihnen nichts zu trinken geben.

Bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen rät auch der Giftnotruf Bonn, direkt den Notarzt über die 112 zu rufen. Die Deutsche Herzstiftung nennt Schwindel, Luftnot, Brustschmerz und Ohnmacht als Warnzeichen, die eine dringende Untersuchung erfordern.

Was tun bei zu viel Koffein?

  1. Kein weiteres Koffein. Dazu zählen Kaffee, Cola, Energy Drinks, Pre-Workout-Produkte und Tabletten.
  2. Hinsetzen, ruhig atmen, Wasser trinken. Möglichst nicht allein bleiben.
  3. Kein Erbrechen auf eigene Faust auslösen. Davon rät der Giftnotruf Bonn ausdrücklich ab, ob das sinnvoll ist, entscheiden Fachleute.
  4. Giftnotruf anrufen, wenn du deutlich mehr als üblich genommen hast, vor allem Tabletten oder Pulver. Laut Gebrauchsinformation von Koffeintabletten muss bei Verdacht auf Überdosierung unverzüglich ein Arzt kontaktiert werden.
  5. Packung bereithalten. Der Giftnotruf fragt, wer betroffen ist, wann, was und wie viel eingenommen wurde.

Leichte Beschwerden klingen ab, während der Körper das Koffein abbaut. Die Halbwertszeit liegt laut EFSA im Schnitt bei etwa vier Stunden, mit einer Spanne von zwei bis acht Stunden. Details stehen im Beitrag Wie lange wirkt Koffein?.

Giftnotruf-Nummern nach Bundesland

BundeslandGiftnotrufTelefon
Baden-WürttembergFreiburg0761 19240
BayernMünchen089 19240
Berlin, BrandenburgBerlin030 19240
Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-HolsteinGöttingen (GIZ-Nord)0551 19240
Hessen, Rheinland-Pfalz, SaarlandMainz06131 19240
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThüringenErfurt0361 730730
Nordrhein-WestfalenBonn0228 19240
ÖsterreichWien+43 1 406 43 43

Ist dein Zentrum gerade nicht erreichbar, empfiehlt der Giftnotruf Bonn, ein anderes Zentrum anzurufen. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerz oder Atemnot geht die 112 immer vor.

Wer ist besonders gefährdet?

  • Wer Produkte kombiniert. Drei kleine Dosen Energy Drink kurz hintereinander liefern laut BfR schon 240 mg und liegen über der Einzeldosis. Kommt eine Tablette mit 200 mg dazu, sind es 440 mg.
  • Wer Alkohol dazu trinkt. Große Mengen Energy Drinks zusammen mit viel Alkohol können sich laut BfR in ihren Effekten auf Herz und Kreislauf verstärken. Fallberichte beschreiben in solchen Situationen schwere Herzrhythmusstörungen, ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht geklärt.
  • Wer Medikamente nimmt. Manche Wirkstoffe bremsen den Koffeinabbau, etwa Antibiotika vom Chinolon-Typ, andere verstärken die Wirkung auf den Puls. Überblick im Beitrag Koffein und Medikamente.
  • Wer Vorerkrankungen hat. Bei Herzrhythmusstörungen, Leberzirrhose, Schilddrüsenüberfunktion oder Angststörungen sieht die Fachinformation nur niedrige Dosen um 100 mg oder ärztliche Überwachung vor.
  • Schwangere. Für sie gilt die EFSA-Grenze von 200 mg pro Tag, das BfR rät zum Verzicht auf Energy Drinks.
  • Kinder und Jugendliche. Die EFSA-Grenze liegt bei 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. In der Berliner EDKAR-Studie hatte fast die Hälfte der Jugendlichen mit hohem Energy-Drink-Konsum schon unerwünschte Wirkungen erlebt, am häufigsten Herzklopfen oder Herzrasen, schlechten Schlaf, Kopfschmerzen und Druck in der Brust.
  • Sportlerinnen und Sportler. Bei Durst werden Energy Drinks leicht in großen Mengen getrunken, warnt das BfR. Athleten gehören laut Cappelletti et al. zu den Gruppen, die in Todesfallberichten häufiger auftauchen.

Wie viel du über den Tag aus allen Quellen zusammenbringst, rechnet der Koffein-Tageslimit-Rechner aus.

Fazit

Zu viel Koffein äußert sich meist als Unruhe, Zittern und Herzrasen und klingt mit dem Abbau wieder ab. Gefährlich wird es im Grammbereich, und den erreicht man fast nur über Pulver, Tabletten oder viele Produkte auf einmal. Bei Verdacht auf eine Überdosis gilt: Giftnotruf anrufen, bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerz oder Atemnot sofort die 112.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerz oder Atemnot wählst du den Notruf 112, bei Verdacht auf eine Vergiftung den Giftnotruf deines Bundeslandes. Die Gesamt-Koffeinaufnahme aus allen Quellen sollte im Blick behalten werden. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme klärst du deinen Koffeinkonsum am besten ärztlich ab.

Häufige Fragen

Ab wie viel Koffein wird es gefährlich?

Laut Fachinformation koffeinhaltiger Arzneimittel können Vergiftungssymptome ab etwa 1 g Koffein auftreten, wenn es in kurzer Zeit aufgenommen wird. Das BfR stuft 5 bis 10 g reines Koffein als potenziell lebensgefährlich ein. Für gesunde Erwachsene gelten laut EFSA bis 200 mg auf einmal und 400 mg pro Tag als unbedenklich.

Kann man an zu viel Kaffee sterben?

Mit Kaffee allein ist das praktisch kaum möglich: Für 5 g Koffein müsste man laut BfR rund zehn Liter trinken. Lebensbedrohliche Überdosierungen gehen in der Regel auf koffeinhaltige Tabletten oder reines Koffeinpulver zurück, nicht auf Getränke.

Was sind die Symptome einer Koffein-Überdosis?

Häufig sind Unruhe, Nervosität, Zittern, Herzklopfen oder Herzrasen, Schlaflosigkeit, Schwitzen, Übelkeit und Kopfschmerzen. Warnzeichen einer Vergiftung sind ein sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, Erbrechen, Verwirrtheit und Krampfanfälle.

Was tun bei zu viel Koffein?

Kein weiteres Koffein aufnehmen, hinsetzen, ruhig atmen und Wasser trinken. Bei Verdacht auf eine Überdosis, etwa nach Tabletten oder Pulver, sofort den Giftnotruf des Bundeslandes anrufen. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerz oder Atemnot gilt die 112.

Wie lange halten die Beschwerden an?

Leichte Beschwerden lassen nach, während der Körper das Koffein abbaut. Die Halbwertszeit liegt bei gesunden Erwachsenen laut EFSA im Schnitt bei etwa vier Stunden, mit einer Spanne von zwei bis acht Stunden. Nach großen Mengen dauert es entsprechend länger, dann gehört die Einschätzung in ärztliche Hände.

Welche Giftnotruf-Nummer gilt für mich?

Das hängt vom Bundesland ab. Die Giftnotrufe in Berlin, Bonn, Freiburg, Göttingen, Mainz und München erreichst du unter der Ortsvorwahl plus 19240, das Giftinformationszentrum in Erfurt unter 0361 730730.

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